„Das Motiv kommt und will gleich gezeichnet werden!“
Ein Gespräch über Urban Sketching mit Sylvia Leutelt
Sylvia Leutelt gibt an der vhs Ammersee-West Zeichen- und Aquarellkurse – und das mit ansteckender Begeisterung. Zwei Stunden dauert das Gespräch in der vhs-Geschäftsstelle in Utting zusammen mit Heike Gerl, vhs-Leiterin und Louise Waggershauser, u.a. zuständig für den Fachbereich Kultur&Kreativität. Mitgebracht hat Sylvia Leutelt einen Wassertankpinsel, einen Mini-Aquarellkasten, ein paar Blätter Papier – und Hund Pulcinella, der sich während des Interviews genüsslich am Boden ausstreckt und zuhört. Es wird viel gelacht an diesem Nachmittag, an dem sich ein spannendes Gespräch ergibt über die Zeichengeschichte Sylvia Leutelts, die Philosophie hinter Urban Sketching und darüber, warum es beim Zeichnen nicht ums Kopieren, sondern ums Ankommen geht.
Wie sind Sie zum Malen gekommen?
Ich bin ein Kind der 60er-Jahre. Damals gab es in und um Kempten, meinem Geburtsort, nicht viele gute Restaurants, deshalb ging mein Vater mit seinen Geschäftskunden in den „Wienerwald“. Als Kind durfte ich da oft mitgehen, und dort gab es immer einen Block und fünf kleine Holzbuntstifte zum Malen. Ich habe mich irgendwo hingesetzt und drauflosgemalt – da war ich sechs, sieben Jahre alt. Ich habe es geliebt.
Ich finde, in der heutigen Zeit müssten Eltern viel mehr ihre Kinder zum Zeichnen und Malen motivieren, statt den Kleinen Tablet oder Handy zu geben. Kein Wunder, dass Kinder nicht mehr richtig lesen und schreiben können – siehe Pisa-Studie. Das finde ich sehr schlimm. Zum anderen gibt es leider auch kaum noch Restaurants, in denen Kindern Papier und Stifte angeboten werden. Ich habe immer ein paar lose Blätter dabei. Oft kommen die Kinder, wenn ich zeichne und fragen: „Was machst‘n du da? Was malst du?“ Und dann fragen sie: „Kann ich auch malen?“ Dann erkläre ich den Kindern gerne, was ich zeichne und warum und dass sie das Gleiche tun können.
Und danach – Schule, Studium?
Kunst war schon immer mein Thema: Ich habe Kunstgeschichte, Kunsterziehung und Byzantinistik studiert. Danach habe ich aber von der Kunst- in die Computerrichtung gewechselt, mehr zufällig. Das war 1984, während meiner Studentenzeit – ich war als „ZBV“ (=zur besonderen Verfügung) mit freier Zeiteinteilung in einer Herrschinger Firma. Kopieren, Aufstellungen machen, alles, was in einem Büro so anfällt, gehörte dann zu meinen zu erledigenden Aufgaben. Dort standen auch Computer, die aber noch gar nicht richtig zum Einsatz kamen, weil sie erstmal nur zur Abschreibung angeschafft worden waren. Da habe ich natürlich gefragt, ob ich da auch mal ran dürfte. Meine Chefin meinte, ich könne mich gerne damit befassen, unter der Bedingung, dass ich alles, was ich mir autodidaktisch beibringe, auch dem Team zeige. So kam es, dass ich bis zu einer Partnerfirma nach Nürnberg – mit meiner kleinen Ente fuhr und dort die ersten PC-Schulungen im kleinen Rahmen abgehalten habe. Das Programm Supercalc, ein Vorläufer von Excel, bessere elektrische Schreibprogramme und kleinere Dinge auf der MS-DOS-Ebene.
Ich bin da fast schon eine Zeitzeugin für die junge Generation – ich erinnere mich noch an Telexgeräte, die in Lochstreifen erzeugte Nachrichten -wie später Telefax- übermittelten.
Wie ging es weiter?
Es folgte eine Reiseverkehrsausbildung mit IHK-Prüfung. Ich war der Meinung, eine zusätzliche kaufmännische Ausbildung kann nicht schaden. 1992 habe ich mich dann mit einer anderen Idee selbstständig gemacht: Damals hatten viele Leute noch keinen Computer zu Hause und ich kam auf die Idee, die Schreibarbeiten anderer zu übernehmen. Das waren Biografien, Angebote von Handwerkern, psychologische Gutachten von Psychotherapeuten und viele andere interessante Gebiete.
Und heute?
Heute richte ich Computer, Handys und andere technische Gerätschaften ein, verkaufe sie, gebe Schulungen dafür – und halte mit Wonne meine Zeichenkurse ab. Das ist keine Kompensation, sondern schlicht die Freude, Menschen ihre eigene Kreativität entdecken zu lassen. Bei den Computerkursen sind die Teilnehmenden oft 60+, die Teilnehmer der Zeichenkurse sind dagegen völlig gemischten Alters – von jung bis alt ist alles dabei.
Wenn Ihr Skizzenbuch sprechen könnte – was für Geschichten würde es verraten?
Mein Skizzenbuch spricht eigentlich ständig mit mir. Immer, wenn ich irgendwo sitze, warte oder um mich rumschaue. Ich habe es immer dabei und zeichne gerne Alltagssituationen und Leute, die mir dabei auffallen.
Sie zeichnen unterwegs, nicht mit Ölfarben im Atelier – warum eigentlich Urban Sketching?
Weil ich ein zappeliger Mensch bin. Ölmalerei dauert viel zu lange, man kann nicht einfach die ganzen „Gerätschaften“ mitnehmen. Im Alltag gibt es aber so viele Situationen, die festgehalten werden wollen. Z.B. der „Muskelmann“, der cool im Café mit Karte zahlen will, aber seine PIN vergessen hat und ins Schwitzen kommt, der Biergarten mit vielen unterschiedlichen Geräuschkulissen – überall Motive… und ständig wechselnd. Mit meinem letzten vhs- Kurs waren wir z.B. in Wengen zum Abschluss auf einen „Drink and Draw“. Dort zeichneten wir mit dem Pinsel unser Motiv vor, statt mit dem Bleistift. Bleistifte gibt es bei mir grundsätzlich nicht, da das zum Radieren auffordert. Wir aber stehen zu unserem spontanen Strich. Drübermalen ist erlaubt. Wichtig ist mir: Die Kursteilnehmenden sollen nicht aus meinen Kursen kommen und malen wie ich, sondern sich selbst entdecken. Um einen Künstler zu kopieren, dafür gibt es andere Kurse. Da sehen dann die Ergebnisse aus, wie die des Künstlers – das sieht dann zwar toll aus, aber das ist nicht mein Ansatz. Ich möchte, dass die Teilnehmenden zu ihrem eigenen Stil finden.
Wie finden die Teilnehmenden zu diesem eigenen Stil?
Über Impulse. Die Lerninhalte sind genaues Hinsehen, Hinhören und erst mal kleine Skizzen, etwa 5x5 cm, mit wenigen Linien. Viele Kursteilnehmer haben vielleicht schon mal gezeichnet, manche sind gar Bauzeichner, Architekten oder haben bereits mit Öl gemalt oder Aquarellkurse besucht. Am freiesten sind die Teilnehmer, die seit ihrer Kindheit keine Zeichengerätschaften mehr in der Hand hatten. Die sind „unverpfuscht“. Aber der eigentliche Lerninhalt soll sein: mit Spaß an die Sache herangehen. Auch wenn mal etwas gründlich danebengeht – dann heißt es einfach: „Na, das war nichts – mit Farbe drüber oder einfach neues Blatt!“
Urban Sketching soll wie ein Tagebuch funktionieren. Entschleunigung statt Handyfoto. Die Leute sollen sich wieder mehr darauf besinnen, wo sie gerade sind und was sie wahrnehmen. Das kann im Urlaub oder nur im Alltag sein. Heute ist ja oft keine Zeit mehr für Kaffee sitzend – alles nur noch „togo“, selber kochen wird auch seltener, stattdessen Zutaten-Lieferservice oder Pizza vom irgendeinem „PizzaFlizzer“. Das erzeugt viel Unruhe und steigert das allumgreifende Aggressionspotenzial der Menschen. Kaum noch jemand ruht wirklich in sich und nimmt sich Zeit.
Urban Sketching ist wie eine kleine Meditationsmethode, eine Entschleunigung. Es geht nicht darum, ein Foto möglichst originalgetreu abzuzeichnen. Die Intention ist: das Skizzenbuch mitnehmen, sich hinsetzen oder durch die Stadt gehen, etwas sehen und denken „das zeichne ich jetzt schnell“ – und sich dafür vielleicht an eine Wand lehnen. Man macht es unterwegs „fertig“ und nutzt die Situation, um runterzukommen. Diese Art Tagebuch gibt einem hinterher noch das Gefühl: So war das, als ich da oder da war. Es hat so und so gerochen, da war jemand neben mir – manchmal schreibe ich sogar Gesprächsfetzen in Comicblasen mit, die dann in die Skizze kommen. Jahre später blättert man seine Skizzen durch und hat sofort das eine oder andere Erlebnis wieder im Gedächtnis. Ich zeichne einfach immer!
Was bedeutet Urban Sketching eigentlich genau?
Zeichnen – ob draußen oder drinnen – auf jeden Fall um uns herum. Es gibt einen kanadischen Journalisten und Zeichner, Gabriel Campanario, ein sympathischer Typ, der sich irgendwann in den 2000er-Jahren gedacht hat: Jetzt hole ich mal alle spontanen Zeichner dieser Welt unter einen Hut, rief die sog. Urban Sketching Gemeinschaft ins Leben. Dieser Kanadier verfasste ein „Manifest“ für das „Urban Sketching“, das „festlegt“: Wir zeichnen die Welt, drinnen oder draußen nach direkten Beobachtungen“. Die so entstandenen Ergebnisse werden dann via soziale Netzwerke oder sog. Blogs im Internet veröffentlich. Und daraus entstand eine riesige, weltweite Community… und man trifft überall auf „Mitglieder“ also Sketcher/Zeichnende, die irgendwo sitzen oder stehen und das „Leben um sie rum auf Papier bringen“. Die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Instagram helfen dabei natürlich auch, auf neue Kontakte zu stoßen, aber das ist ja nicht zwingend notwendig. So fährt man z.B. nach Wien und postet in der Wiener „USK-Gruppe“, dass man vor Ort sei und ob noch jemand gerade irgendwo zeichnet oder ob ein Treffen irgendwo stattfindet und schon hat man die Möglichkeit, ein paar neue Leute kennenzulernen, Erfahrungsaustausch zu machen oder einfach nur gemeinsam zu zeichnen. So saß ich letztes Jahr in einer Taverne auf Kreta, habe Tavernengäste gezeichnet und lustige Gesprächsfetzen dazu aufgeschnappt und mit in meine Zeichnungen geschrieben. Irgendwann sagte jemand: „Ich sehe Sie zeichnen, ich zeichne auch!“ und schwupp schon war wieder ein neuer Kontakt geknüpft in diesem Fall in die Schweiz.
Wo überall lässt sich zeichnen?
Eigentlich überall – immer! Am Bahnhof, im Wartezimmer beim Arzt, auf der Straße, im Cafe… überall. Man muss ja gar nicht nach Motiven suchen, das Motiv kommt und will gezeichnet werden!
Bei klassischen Aquarellkursen wird oft ein Motiv an die Wand gehängt und alle malen dasselbe – versuchen, es eins zu eins zu kopieren. Das ist nicht UrbanSk etching und außerdem einfach zu langweilig und auch nicht sinngebend. In meinen Kursen projiziere ich natürlich mal via Google Street View Fotos/Bilder an die Wand. So fahren wir mal eben fiktiv nach Italien, setzen uns in unserer Fantasie an eine Ecke unseres Motives, mit einem gedachten oder realen Glas Prosecco, und zeichnen, was wir sehen.
Über solche Übungen mache ich die Teilnehmenden auf Dinge aufmerksam, auf die sie bei einer „richtig draußen“ Skizze achten sollen, spannende Farbgebungen oder etwa auf Perspektive. Die wird aber ohnehin oft überbewertet. Der gesunde Menschenverstand ist wichtiger als die perfekt wiedergegebene Perspektive: Der Tisch ist vorne breiter, hinten schmäler, was ist gerade, was schräg – das reicht, um schnell eine passable Perspektive hinzubekommen.
Und dann geht es darum, sich auf das Zentrale, das Wesentliche zu konzentrieren – vielleicht nur der Baum und der Fensterbogen, der Rest kann weg. Es muss nicht alles aufs Blatt.
Wie gehen Sie mit Anfängerinnen und Anfängern um?
Im Anfängerkurs braucht man keinerlei Vorkenntnisse. Am liebsten sind mir sogar die völlig unbedarften Teilnehmenden, die zuletzt mit fünf Jahren einen Malstift in der Hand hatten. Mitbringen sollte man einfach Freude an der Farbe, Lust am Ausprobieren, am Mitmachen. Wir besprechen unsere Ergebnisse immer gemeinsam: Nach etwa zehn bis zwanzig Minuten kommen alle Bilder auf den Tisch, und jede und jeder sagt, was ihr oder ihm am eigenen Bild besonders gut gefällt – nie (!!!), was nicht gelungen ist. Egal was, Hauptsache der Blick geht aufs Positive. Das wirkt sich direkt auf die Motivation aus. Wichtig ist zu motivieren, nicht zu vergleichen. Das ist ein ganzheitliches Konzept – die Frage lautet immer: Was gefällt mir an meinem Bild? Fast wie eine Psychotherapie, nur günstiger.
Gab es besondere Erlebnisse, die es aufs Programmheft geschafft haben?
Ja, zum Beispiel eine Skizze bei einem unserer Drink-and-Draw-Termine, am Rathaus in Diessen in einem Café. Oder mit einer Gruppe beim „Welpenschutz“ (Zeichnen draußen in der Gemeinschaft mit anderen und geschützt in der Gruppe vor neugierigen über-die-Schulter-Guckern). Da werden in der Gruppe „wilde Tiere“ (so bezeichnet Sylvia Leutelt liebevoll Menschen in freier Wildbahn) gezeichnet, Menschen, die mit dem Dampfer ankommen oder am Seekiosk sitzen. Viele Teilnehmer haben zunächst Angst, angesprochen zu werden – „Was macht ihr da?“ – und versuchen, ihre Skizze zu verstecken. Ich versuche dann immer zu vermitteln, worum es uns eigentlich geht: um eine Art gezeichnetes Tagebuch, um die eigene Entschleunigung und um Spaß. Das, was wir machen, darf jeder sehen! Viele haben trotzdem Hemmungen, deshalb ist es mir wichtig, so oft wie möglich unter Menschen zu gehen – bewusst in eine Kneipe zu ziehen, fast wie eine Art Konfrontationstherapie. Alle saßen wir damals im Café am Fenster, und dabei entstehen viele Sachen nebenbei, so auch das Titelbild fürs Programmheft: das Geschäft an der Kreuzung, die Sonnenuhr am Rathaus, sich unterhaltende Menschen, die Menschen, die die Mühlstraße hinunterlaufen. Der Dampfer auf der Rückseite des Programmhefts entstand, während wir eigentlich gerade „wilde Tiere“ zeichneten und der Dampfer anlegte... schnell eine Zeichnung vom Schiff am Dampfersteg - etwa zehn Minuten, weil dann legt er ja schon wieder ab, der Dampfer.
Wie gehen Sie technisch vor?
Je nachdem, wie viel Zeit ich habe, skizziere ich mit dem Wassertankstift und ganz wenig Farbe vor und trage dann Stück für Stück mehr Farbe auf und Details auf. Oder ich zeichne mit einem feinen Kugelschreiber oder Füller vor – Bleistift gibt es bei mir ja nicht – und arbeite dann mit Aquarellfarbe oder Aquarellbuntstiften weiter, probiere einfach aus.
Als mein Mann neulich beim Zahnarzt in Landsberg war und ich auf ihn gewartet habe, da hatte ich zwei Stunden Zeit für mich, um in Landsberg zu zeichnen. Bei dieser Gelegenheit lasse ich mir dann auch wirklich Zeit und sitze irgendwo beim Kaffeetrinken und Zeichnen. Unter Zeitdruck wird es eine schnelle, kleine Skizze, mit mehr Zeit natürlich detaillierter. Mal skizziere ich nur schnell, mal kommt Farbe dazu, mal der Strich zuerst, die Farbe dann, mal umgekehrt und manchmal auch beides gleichzeitig. Hauptsache, es macht Spaß, das ist das Wichtigste dabei.
Haben Sie selbst je Zeichenkurse besucht oder sind Sie Autodidaktin?
In der Schule und an der Uni habe ich natürlich diverse Kurse/Seminare besucht, das gehörte zur Kunsterziehung. Aber an der Akademie selbst war ich nicht, obwohl ich das gerne gewollt hätte, aber ich musste ja nebenher schon Geld verdienen, um mein Studium zu finanzieren. Ab und zu besuche ich heute noch Workshops, die mich interessieren, weil es immer spannend ist, neue Tipps und Techniken zu erfahren. Die klassischen Aquarellkurse, in denen man stundenlang an einem einzigen Motiv sitzt, sind eher nichts für mich. Ich mag es lieber schnell gezeichnet, weil ja parallel zu dem eben Gezeichneten schon wieder jede Menge neue Motive auftauchen. Bei unseren Sketch-Walks (das sind gemeinsame Zeichentreffs, bei denen man die Zeichenpunkte oft wechselt) treffen wir uns zum Beispiel in Landsberg und ziehen dann durch die Stadt oder durch Dießen oder den Schacky-Park. Eine neue, interessante Location ist auch das LechAtelier in Landsberg – als ich neulich dort war – verabredet mit einer Zeichenfreundin aus Murnau, wurde spontan Musik gemacht, alle möglichen Instrumente bespielt - die singende Säge, Mundharmonika, Keyboard u.a. Es wurde gezeichnet, hinter mir wurde sogar getöpfert, während vor uns von Klassik bis Rapp oder Jazz gespielt wurde – solche spontanen, außergewöhnlichen Momente skizziere ich besonders gern, die sind etwas Besonderes. Blättert man später mal seine Skizzen durch, kann man sich an diese einzigartigen Momente intensiv erinnern, da man sie ja auch mit der Seele zu Papier gebracht wurden.
Ist man beim Zeichnen der Wahrhaftigkeit verpflichtet?
Erlaubt ist, was einem selbst gefällt, alles andere ist unwichtig. Wenn ich etwas nicht wirklich zeichnen möchte, weil es mir unangenehm ist, lasse ich es einfach weg – oder gestalte es bewusst etwas anders. Die Wahrhaftigkeit des UrbanSketching – gemäß dem Manifest von Gabriel Campanario- besteht in dem Zeichnen vor Ort, nach direkter Beobachtung mit Festhalten des Ortes und des Datums in der Zeichnung.
Für Zeichnungen von etwaigen Personen in den Zeichnungen gilt das Eigentumsrecht des Künstlers.
Stellen Sie Ihre Bilder auch aus?
Es gab schon Ausstellungen von meinen Bildern, unter anderem in Dießen. Aktuell stellt sich aber eher die Frage, wie sollte man ein ganzes Skizzenbuch unbeschadet ausstellen können. Einzelne Skizzen bzw. Bilder verkaufe ich auch, aber die meisten Sachen bleiben in den Skizzenbüchern. Zu Hause hängen die Bilder bereits in „Petersburger Hängungs“-Manier.
Was ist Ihnen bei den Kursen besonders wichtig?
Dass ich bei den Teilnehmenden einen Funken entfache – nicht, dass sie so malen wie ich, sondern dass sie ihren eigenen Stil entwickeln. Von jedem Kurs lege ich ein Album auf dem Handy an – dann sehe ich, wie sich die Teilnehmer während des Kurses entwickeln. Manche trauen sich anfangs kaum etwas, haben regelrechte Beklemmungen. Manche Teilnehmer oder Teilnehmerinnen haben richtig Probleme, den Kopf freizukriegen. Für solche Fälle bringe ich auch mal eine Flasche Prosecco oder Glühwein mit, dazu kleine Knabbereien, damit das Loslassen leichter gelingt. Beim letzten Mal im Schacky-Park hat eine Teilnehmerin etwas geliefert, das unglaublich war – für sie ein regelrechter Quantensprung. Das gibt mir persönlich mehr, als wenn ich selbst eine Ausstellung mit meinen eigenen Arbeiten mache. Viel wichtiger ist mir, dass bei anderen der Funke überspringt – und dass sie mir später erzählen: „Schau mal, ich war in Frankreich und habe da…“ Urban Sketching Kurse biete ich im Übrigen ausschließlich an der vhs Ammersee West an.
Wie sind Sie eigentlich zur vhs gekommen?
Bereits vor Corona hat mich damals Frau Fischer kontaktiert und gefragt, ob ich Computerkurse bzw. IT-Kurse geben könnte. Sie sei auf mich durch meine ausliegenden Flyer aufmerksam geworden. Und ich habe gesagt: Nicht nur Computer, ich kann auch „bunt“. Die Corona-Zeit selbst war dann eher schrecklich, weil viele Kurse gar nicht stattfinden konnten.
Sie geben auch Kurse zur digitalen Sicherheit – wie sieht das aus?
Mit alltagsnahen Beispielen, bunt aufbereitet und mit nur zwei Blättern Handout: Was tue ich bei einem Schockanruf? Wie kaufe ich sicher im Internet ein? Wie erkenne ich eine falsche Firma, und wie reagiere ich richtig? Immer nach dem Prinzip: Was kann schieflaufen – und wie löst man es. Die Kurse zur „digitalen Sicherheit“ biete ich inzwischen auf mehrere Termine verteilt an – dann hat man mehr Ruhe für Fragen und individuelle Bedürfnisse. Leider sehen viele die Dringlichkeit dieses Kurses für sich nicht. Für die Betrüger im Netz sind wir aber alle interessant.
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